Eine kurze Einführung in Derivate


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Joanne Snel24. März 2022
Trading


Derivate sind in fast allen Bereichen relevant: Mathematik, Linguistik, Chemie, Recht - soll ich weitermachen? Es stellt sich heraus, dass Derivate auch in der Finanzwelt auftauchen. Nicht nur zu Optimierungszwecken, sondern auch als Finanzinstrument, mit dem man traden kann. 🤯 Bei Derivaten sind viele Leute unentschlossen. Verständlich. Ein Derivat besitzt ja keinen intrinsischen Wert, wie kann es also nützlich sein? In diesem Artikel möchten wir Derivate entmystifizieren - wir werden erörtern, wer sie verwendet, was sie sind und wie sie bewertet werden können. Legen wir los!

Title Card for "A short introduction to derivatives"

Es gibt einen großen Unterschied zwischen "Investieren" und "Trading". Das Ziel - aus den Bewegungen des Aktienmarktes Gewinn zu erzielen - hat die gleiche Bedeutung. Der Unterschied liegt in der Art und Weise, wie man dorthin gelangt. Beim Investieren wird ein langfristig orientierter Ansatz gewählt. Wenn Du in einen Rentenfonds bzw. in einen allgemeinen Sparplan einzahlst oder eine "Buy-and-hold"-Strategie verfolgst, investierst Du demnach. Wenn Du dagegen von den stündlichen, täglichen, wöchentlichen oder monatlichen Bewegungen des Aktienmarktes profitieren willst, bist du wahrscheinlich im (Day)Trading besser aufgehoben. Letzteres ist in der Regel risikoreicher, kann aber auch höhere Renditen einbringen. Es ist egal für welchen Ansatz Du dich entscheidest: es zahlt sich aus, wenn Du über den Börsenjargon informiert bist. 

🎾 Die Akteure

In Wirklichkeit machen Kleinanleger:innen (“Amateur:innen” im Aktienmarkt) weniger als ein Viertel der (US-)Aktienmarktaktivitäten aus. Wer spielt also noch mit?

🤑 Die Fonds

Ein "Fonds" ist Geld, das für einen bestimmten Zweck gesammelt wird - es gibt einige Unternehmen, die Geld bündeln, dieses Kapital verwalten und Vermögen schaffen. Du hast wahrscheinlich schon von börsengehandelten Fonds (ETFs) gehört, bei denen es sich um diversifizierte “Warenkörbe” handelt, z. B. von Aktien oder Anleihen. Ein ETF kommt vielleicht nicht so wie ein traditioneller "Fonds" rüber, aber ETFs können wie ein vordefiniertes Portfolio von Einzelaktien/Anleihen betrachtet werden, die einem das Raten beim Investieren abnehmen. Trader:innen können sie an einer Börse kaufen, und genau wie bei Aktien schwanken auch bei ETFs die Preise ständig.

Investmentfonds (SICAV in Europa) sind mit ETFs vergleichbar, können aber nicht an der Börse gehandelt werden, da sie in der Regel direkt beim Emittenten erworben werden. Investmentfonds können aktiv oder passiv verwaltet werden. Letztere bilden einen Benchmark-Index wie zum Beispiel den S&P 500 ab - mit dem Ziel, eine gleichbleibende Rendite zu erzielen; Du kennst sie vielleicht als Indexfonds. Ein aktiv verwalteter Fonds hingegen hat das Ziel, die Leistung eines bestimmten Indizes zu übertreffen. Fondsmanager:innen kaufen und verkaufen Anlagen mit der Absicht, für sich und ihre Kund:innen einen Gewinn zu erzielen. 

Vielleicht hast Du schon einmal von Bridgewater Associates, Renaissance Technologies oder Two Sigma Investments gehört? Das sind alles große amerikanische Hedgefonds. Ein Hedge-Fonds kann mit einem Investmentfonds verglichen werden, ist aber größer (und riskanter). Hedge-Fonds werden von wohlhabenden Privatpersonen mitfinanziert. Im Gegenzug wird auch eine höhere Rendite erwartet. Um dies zu erreichen, investieren die Fondsmanager häufig in nicht-traditionelle und risikoreiche Vermögenswerte wie Immobilien, Kunst und Derivate 😉. Oft verwenden Hedge-Fonds gehebelte Methoden: Sie leihen sich Geld, um die potenziellen Erträge zu vervielfachen. Ein hohes Risiko, das aber im Gegenzug zu einer hohen Rendite führen. 

Kannst Du als Kleinanleger:in auch nur annähernd das erreichen, was solche Hedgefonds erreichen? Ist zwar unwahrscheinlich (es sei denn, Du bist heimlich Millionär:in), aber Du kannst dich über einige Deiner Trading Strategien zusätzlich informieren, z. B. über Investitionen auf dem Derivatemarkt. 

💰 Nur Aktien? Nö.

Im Zusammenhang mit lemon.markets sprechen wir in der Regel nur über Aktien - aber theoretisch kannst Du mit so ziemlich allem handeln, was als “Wertaufbewahrungsmittel” verwendet wird. Zum Beispiel Metalle, Baseballkarten, Konzertkarten, virtuelle Kunst…

In diesem Artikel werden wir uns auf Derivate konzentrieren. Wie der Name schon sagt, ist ein Derivat ein Vertrag, der auf einem “zugrundeliegenden Vermögenswert” basiert (oder davon abgeleitet (eng. “derived”) wird). Derivate können aus denselben Gründen wie Aktien gekauft werden (Gewinn), aber Trader schließen Derivat Verträge ebenfalls ab, um Risiko zu mindern. Wie das geht? Stell Dir vor, Du investierst in landwirtschaftliche Produkte, zum Beispiel Weizen. Der Aktienkurs hängt von mehreren Faktoren ab, von denen einer das Wetter ist (zu wenig oder zu viel Regen = schlechte Ernteerträge). Was wäre, wenn Du gegen den Regen wetten würdest? Du kannst mit Wetterderivaten handeln, die wie eine Versicherung gegen wetterbedingte Schäden/Verluste funktionieren. Du kannst einen Vertrag abschließen: Wenn es vor Ablauf des Vertrags nicht (oder nur wenig) regnet, zahlst Du eine Prämie (die Du Dir natürlich leisten kannst, weil das Geschäft gerade boomt), und im Falle von schlechtem Wetter erhältst Du eine Entschädigung (die vor Vertragsabschluss vereinbart wird). Eine Win-Win-Situation also.  

Der "zugrunde liegende Vermögenswert" kann so ziemlich alles sein, auch das zuvor erwähnte Wetter! Dieses Beispiel mag etwas weit hergeholt sein, aber Derivate gibt es auch für gängigere Finanzwerte wie Aktien, Anleihen oder Währungen.

Was also ist ein Derivat?

Es gibt vier Hauptarten von Derivaten: Futures, Forwards, Options (Calls und Puts) und Swaps. Wir werden in diesem Blogpost nicht auf die Unterschiede eingehen, aber wer sich dafür interessiert, kann hier mehr dazu erfahren. Kurz gesagt, ein Derivat ist ein Vertrag, der auf den Preis des Basiswerts in der Zukunft spekuliert. Dieser zukünftige Preis wird als Basispreis bezeichnet, und Derivate haben immer ein Verfallsdatum. Stell Dir beispielsweise vor, ein Händler kauft einen Call-Optionsvertrag für 100 Aktien der Aktie X mit einem Basispreis von 25 € für 150 €. Am Verfallstag wird die Aktie X zu 35 € gehandelt, so dass der Kauf von 100 Aktien zu 25 € präferiert ist. Da der Händler den Optionsvertrag in der Vergangenheit unterzeichnet hat, kann er ihn jetzt ausüben und von dieser Differenz von 10 € pro Aktie profitieren, d. h. 1000 € - 150 € = 850 € Gewinn, wenn er sofort nach Ausübung der Option verkauft.

Hinweis: Du musst die gekauften Optionsscheine nicht unbedingt traden, Du kannst auch den Optionsvertrag selbst verkaufen - stell es Dir quasi als zwei Ebenen vor. Du tradest nicht die Aktie X, sondern mit einer Wette auf den künftigen Kurs der Aktie X.

🎯 Riskantes Geschäft

Derivate sind bekanntermaßen schwer zu bewerten, da sie auf dem Wert eines anderen Vermögenswertes beruhen. Folglich gibt es auch ein umfangreiches Vokabular, um die Preisempfindlichkeit und das Risiko zu erklären, das mit Derivaten (insbesondere Optionen) verbunden ist. Sie sind auch als "die Greeks" bekannt.

🕊 Die Greeks

Die am häufigsten verwendeten Greeks sind Delta, Theta, Gamma und Vega. Das sind also Zahlen/Werte, die Auskunft über den Preis oder das Risiko einer Option geben. Wenn Du Dich für Mathematik interessierst, müsstest Du wissen, dass Delta (Δ) eine Veränderung darstellt. Bei Optionen ist das Delta die Veränderungsrate zwischen dem Preis einer Option und einer Veränderung des Preises des Basiswerts um eine Einheit (z. B. 1 €). Theta (Θ) ist die Änderungsrate zwischen dem Preis einer Option und einer Zeiteinheit (z.B. 1 Tag). Gamma (Γ) ist die Veränderungsrate zwischen dem Delta einer Option und einer Veränderung des Kurses des Basiswerts um eine Einheit - also die Veränderungsrate der Veränderungsrate. Vega (ν) ist die Änderungsrate zwischen dem Wert einer Option und einer 1 %igen Änderung der impliziten Volatilität. 

Eine Kombination von diesen primären Greeks kann verwendet werden, um Optionen z. B. nach dem Black-Scholes-Modell zu bewerten. Diese Differentialgleichung ist weitläufig als Methode zur fairen Bewertung von Optionen anerkannt. 

Im Zusammenhang mit lemon.markets wirst Du (noch) nicht mit Derivaten handeln können. Nichtsdestotrotz ist es gut zu wissen, was andere Akteur:innen tun (oder vielleicht in Zukunft tun werden). Trading ist ein ständiger Lernprozess. Wir hoffen, dass wir mit diesem Blogpost den Derivatehandel etwas entmystifizieren konnten. 

Wenn Du Dich noch nicht bei lemon.markets angemeldet hast, kannst Du das hier tun. Wir würden uns freuen, Dich an Bord zu haben. Wenn du Fragen hast, dann tritt gerne unserer Slack-Community bei.

Joanne 🍋.

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